Dialäkt-Schriibwiis
Dialekt-Schreibweise: Versuch, für meine eigenen Bedürfnisse gewisse minimale Regeln zu formulieren, damit ich mich einigermassen an etwas halten kann; Überlegungen und Vorschläge (zur Diskussion gestellt). Überarbeitete Version mit Nachträgen vom 7.11.2010.
Grundsatz
Die Schreibweise für die Mundarttexte soll möglichst leicht lesbar sein und die Texte sollen in verschiedenen Dialekt-Akzenten gesprochen werden können. Dies bedingt, dass die Schreibweise nah bei der gewohnten schriftsprachlichen Schreibung liegt und nicht etwa – wie bei der Dieth-Schreibweise – mit Spezialzeichen die exakte phonetische Lautung vorgibt. So belasse ich die Diphtonge (au, äu, ei, eu) und schreibe nicht «es hüener-äi» oder «nöii chläider». Die einzige Anleihe bei Dieth mache ich für das zürcherische «èè», um nicht der Versuchung zu erliegen, ein Berner-«ä» zu schreiben (solange ich zürichdeutsch schreibe).
Ferner bin ich bezüglich der von E. Dieth propagierten Kleinschreibung hin und her gerissen. Im Grunde genommen wäre sie mir sympathisch, auch in der geschriebenen Standardsprache. Solange ich aber immer wieder automatisch in die Grossbuchstaben zurückfalle, lasse ich es beim Gewohnten.
Wenn ich z.B. schreibe «ich säge, du säisch, er säit» und nicht «du seisch, er seit», ist es wegen des Stammvokals “a” in “sagen”. Aber beim “Hüener-Ei” bleibe ich beim bekannten “ei-Diphtong” und greife dafür beim “Müeslibreï” zum Mittel der Trema-Trennpunke auf dem “i”. Auch belasse ich wenn möglich “st” und “sp” und verzichte meistens am Wortanfang auf “scht” und “schp”, weil wir uns auch hier an dieses Schriftbild gewöhnt sind und die Aussprache beim Lesen richtig variieren (Beispiel: Stock, Sport, wo das ganze Wort gleich wie in der Standardsprache ausgesprochen wird). Ich würde aber für “spielen” nicht “spile” schreiben (sondern “schpile”), weil die Entfremdung zu gross und das Wort ohne genaue Angabe der Lautung nicht mehr erkennbar wäre.
Lange gehaltene Vokale schreibt man in Dieth-Schreibweise konsequent doppelt (nicht Dehnungs-h und nicht ie). Ich behandle sie hingegen möglichst gleich wie in der Schriftsprache, ausser wenn sich mir ein störendes Schriftbild ergibt (liegen: ich ligge, du liesch, er liet wird dann zu «du liisch, er liit»). Bei einfach geschriebenen, aber lange gesprochenen Vokalen (Trompete, Rakete) nehme ich mir die Freiheit, unter Umständen Trumpeete oder Rageete zu schreiben. Ob «Pfeil» besser Pfiil oder Pfyl heisst, ist mir wurst. Das doppelte i entspricht vielleicht dem schriftdeutschen Diphtong besser. So komme ich auch für obigen Titel zum ii in der Schriibwiis (und nicht Schrybwys) und lasse mich auch nicht vom «Beschrieb» zu einem ie verführen.
1. Geschlossenes (helles) «e» und offenes (gedämpftes) «e», «è» und «ä»
Beim geschlossenen und offenen «e» ist eine Unterscheidung der Schreibweise unnötig, weil der deutschkundige Leser das Problem von der Standard-Schriftsprache her mühelos beherrscht: Er spricht die verschiedenen «e» in «erlebenswertes Erdbeben» (bühnendeutsch) oder aber «erlebenswertes Erdbeben» (Schweizerhochdeutsch) automatisch richtig aus. So kann man sich auch im Dialekt daran halten, beide «e» – analog zur Schriftsprache – gleich zu schreiben. Es ist garantiert bedeutend leichter lesbar als alle denkbaren Varianten.
Sicher falsch (und ein eigentliches Ärgernis) ist das so oft gesehene «ä» für den Schwundvokal ə, das sogenannte «Schwa», ein bis zum Murmellaut abgeschwächtes «e», z.B. «Ladä am Eggä». Dieses Problem ist nun ja aber mit dem oben Gesagten gelöst. Es gibt wirklich keinen Grund, nicht «Lade am Egge» zu schreiben, nicht einmal auf Berndeutsch.
Das «ä» lautet auf Zürichdeutsch nämlich anders: noch viel offener, wie in «ächts Bläch» und Lautung und Schreibung von «ä» sind folglich bereits besetzt mit einer anderen Problematik. «Ä» wird ja auf Standarddeutsch ausschliesslich «hell» ausgesprochen wie in «ältere Äpfel schmecken ähnlich». In den schweizerdeutschen Dialekten gibt es hingegen auch noch das eingangs erwähnte sehr offene «ä» («ächts Bläch»). Viele Berner – wenn sie sich mit gesprochenem Schriftdeutsch abmühen – bleiben sogar dann dem offenen «ä» treu (was allerdings ziemlich schlimm tönt).
Aber für den Zürcher gibt es auch im Dialekt 2 verschiedene «ä», das offene («Bläch») und das helle («ähnlich»). «Es Bläch isch es ähnlichs Ggrät wië n es Plättli». Der dialektkundige Leser merkt hier sofort, dass er automatisch richtig zwischen den verschiedenen «ä» wechselt, sofern es züritüütsch tönen soll. Die Lesbarkeit wird durch keine schikanösen Spezialzeichen gestört. Schwieriger wird es bei seltenen Ausnahmen, wo die zwei «ä» nahe zusammen treffen, wie z.B. bei der Bezeichnung eines Geräts aus der Metzgereibranche, nämlich dem Brätblech. Bei «Brätbläch» werden nur die Berner und die Ostschweizer keine Mühe haben, das Wort beim flüssigen Lesen auf Anhieb richtig auszusprechen. Logisch, sie haben nur ein einziges «ä», die einen das dunkle, die anderen das helle. Wenn es Züritüütsch sein soll, verwende ich hier ausnahmsweise das mir gar nicht gefallende «èè» für Brèèt, damit ich gleich anschliessend das «Bläch» richtig über die Lippen bringe. Aber im Normalfall kann man problemlos «im Märli fählt oder fehlt es Bärli» lesen und jeder kann es in seinem eigenen Dialekt aussprechen. Aber «im Mèèrli fèèlt es Bèèrli» ist natürlich auch gut, wenn es zwingend Zürichdeutsch tönen muss.
Und mit diesem Beispiel kommen wir jetzt noch auf jene Grenzfälle, wo das helle Zürcher «ä» einem hochdeutschen «e» entspringt, wie beim «Fähler» oder «Fehler». Für mich geht beides; punkto Leserlichkeit ist vielleicht das «e» eher besser, natürlich auch wieder, weil das analoge Wort in der Schriftsprache ein «e»hat. Also: wenn das deutsche «e» zu einem hellen Zürcher «ä» wird, dann bleibt es geschrieben ein «e» (wer, werde, fehle, Erde). Wird es hingegen zu einem dunklen Zürcher «ä», so schreibe ich «ä» (Gägeteil, Gägend/Gäged, Bläch). Aber bitte, jene, die Dieth-Schrift ohne zu stocken lesen können, sind hier bei Professor Dieth mit seinem «è» natürlich pputzt und gschtrèèlet.
Übrigens: Wurscht isch dèè Snack! In diesem Beispiel würde ich immer zum «è» greifen, weil «dee»unverständlich ist und «dää» furchtbar aussieht. Und apropos «Snack»: Dies ist ja immer Englisch und weder Schrift- noch Schweizerdeutsch. Also belassen wir lieber gleich die englische Schreibweise. Sonst würden die vielen Leute, die glauben, «ea» werde auf Englisch immer «ii» gesprochen, für «Steak» in einem Dialekttext Stiik schreiben anstatt Steïk.
Beispiele:
Standarddeutsch: Der Metzger Emmenegger holt ein Brätblech
Züritüütsch: De Metzger Ämmenegger holt es Brèètbläch
Standarddeutsch: Dieser gelbe dort, der gefällt mir
Züritüütsch: Dèè gääl deet, dèè gfallt mer
Es gääls Gummibärli (-bèèrli) mit churzen Ärm (Èèrm)
Bärndütsch: Dä gälb dört, dä gfallt mer
(Das mit «u» vokalisierte «l» in «gäub» und «gfaut» berücksichtige ich nur beim Sprechen, weil sonst Berndeutsch zu schreiben zum Verzweifeln wäre. Beweis: Versuche «Quellwolke» in berndeutscher Lautung zu schreiben und lasse es jemanden auf Anhieb lesen.)
nach E. Dieth: De metzger im èrker isch schtèrcher als de elgger-beck
empfohlen: De Metzger im Erker isch stärcher als de Ellger-Beck
streng verboten (aber immer wieder zu sehen): Dä Metzgär im Erkär isch schtärchär als dä Ellgär-Beck [Pfui Teufel!]
Zungenbrecher: Emded Äbt ää? Äbt emded ää! (auch ämded [Emden Äbte auch?], zweiter Heuschnitt)
2. geschlossenes «ü», «ö» und «i» sowie offenes (abgedämpftes) «ü», «ö» und «i»
Kann problemlos immer als ü, ö, und i geschrieben werden. Dialektkundige Leser sprechen die Lautungen automatisch richtig aus.
| geschlossen Füür i de Schüür D Glöön spieled schön ich, du, er, sie |
offen [Dieth-Schreibweise] bis zu de Türe füre [Tûûre fûre] ufhöre möögge [ufhôre môôgge] mir, ihr [mîr, îîr] |






