Vom Pech, ein Fussgänger zu sein
In diesen unfreundlich kalten Biswind-Tagen denke ich oft vom wohlig geheizten Auto aus, dass die eingeschränkte Bewegungsfreiheit eines Stadtmenschen zu Fuss eigentlich ungerecht, ja menschenverachtend ist. Mit dem Freiheits-Empfinden eines „freien“ Schweizers völlig unvereinbar.
Da stehen sie beim Coop Hinterdorf am Dreieck Tösstal-/Seenerstrasse, rund um den Strassen-Stern am (sanierten) Zwingliplatz (Deutweg), an der Technikumstrasse am Holderplatz und rund um den (sanierten) Verkehrsknoten Talegg im hündeligen Schneegestöber und erweisen demütig und ergeben dem Gesslerhut „Rote Ampel“ die Referenz.
Bequem im Trockenen an einer dieser Kreuzungen wartend, schaue ich zu, wie die Gruppe der Wartenden stetig anwächst und sichtbar ungeduldiger wird. Zu Recht, denke ich. Jetzt sollten ja wirklich diese Fussgänger einmal an der Reihe sein. Da schaltet meine Ampel auf Grün. Mit schlechtem Gewissen brause ich los, an den Wartenden vorbei und sehe den Gesichtern an, dass sie das ungerecht finden.
Wenn ich dann selbst einmal in so einem Pulk vor dem Zebrastreifen stehe und genervt darauf warte, dass all die Blechkolonnen nun endlich ihre Grünphasen hatten und jetzt dann sicher die Fussgänger drankommen sollten, dann nähert sich von weit hinten ein Stadtbus, übersteuert das Ganze und verursacht, dass der Reigen der Grünphasen für die Autos nochmals von vorn beginnt. Dann wird mir erst klar: Richtige originale Fussgänger gibt es wohl kaum mehr. Die würden sich dies nicht bieten lassen. Heutzutage ist ein Mensch zu Fuss ein Autofahrer, der einen Parkplatz gefunden hat.







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